Donauuferbahn: Offener Brief an die NÖ-Grünen Chefin Helga Krismer

Donauuferbahn: Offener Brief an die NÖ-Grünen Chefin Helga Krismer

Sehr geehrte Frau Dr.in Helga Krismer,

wir haben zuerst geglaubt, dass diverse Presseartikel - wie der folgende - auf Missverständnissen beruhen, oder auch auf einer Überinterpretation durch Medien.
Doch nach einer direkten Anfrage bei Dir hast Du dem Obmann des Verkehrs- und Regionalforums Waldviertel ausrichten lassen, dass Du wirklich auf einmal für einen De-facto-Ersatz für eine NEUE Donauuferbahn bist - es soll also ausgerechnet bei Maria Taferl ein „Mega-Förderband“ vom Nordufer über die Donau zur alten Westbahn bei Krummnussbaum gebaut werden:

Zunächst: Warum hast Du vor Deinem Positionswandel keinen der langjährigen AktivistInnen kontaktiert?

Wir haben Verständnis dafür, dass man verzweifelt, und die Bewegung für aussichtslos hält. Aber um es direkt zu sagen: Warum muss man einer langjährigen Bewegung de facto in den Rücken fallen?

Denn der Transport von ca. 100 000 t Bahnschotter ist aktuell das stärkste Argument für eine neue Donauuferbahn (was sollte sonst mit der Bahn transportiert werden, wenn nicht Bahnschotter). Der Hinweis, dass ja die Grünen immer für die Donauuferbahn waren und auch noch sind, ist unserer Meinung somit unseriös.
Wenn mit Hilfe der öffentlichen Hand das Schotterförderband über die Donau bei Maria Taferl realisiert werden würde, dann wird es als weitere Investition real keine neue Donauuferbahn mehr geben.

Du sagst, das sei eine „kreative Lösung“. Wie kreativ ist eine Lösung einer teuren Quasi-Material-Donaubrücke, statt die bestehende Ladestation zu erneuern und die Gleise neu verlegen? Die ins Auge gefasste neue Verladestation bei Diedersdorf (Krummnussbaum) würde 6 ha Natur verbrauchen - Du sprichst Dich ja gerade sehr gegen Bodenversieglung aus. Sollte man, statt allgemein zu bleiben nicht gleich hier konkret anfangen? Die ins Auge gefasste neue Verladestation würde nicht nur Boden versiegeln, sie würde BESTE Agrarflächen der Nutzung entziehen. Wozu soll das gemacht werden, wenn es eine einfache Alternative gibt? Auf die nicht notwendige Landschaftsverschandelung ausgerechnet vor Maria Taferl sei nur nebenbei hingewiesen.

Du richtest dem Obmann des Verkehrs- und Regionalforums Waldviertel aus, man müsse realistisch sein, weil es „Widerstand aus der Region“ gäbe. Ja den gibt es. Und warum? Weil einige Bürgermeister dem Drang der Immobilienverwertung der Flächen der Bahntrasse nicht widerstehen können, und jetzt mit der (illegalen) Verbauung der Bahntrasse schnell Tatsachen schaffen wollen.

Wir haben schon seit Jahren mit Managern von Loja, dem Bahnschotterunternehmen einen konstruktiven Dialog geführt. Das Unternehmen hat ein bemühtes Management und wir fühlen uns den MitarbeiterInnen, die hart arbeiten, voll verbunden. Was wir nicht akzeptieren können, ist, dass ein klassischer Schotterbaron aus OÖ - neben Habsburg einer der zwei maßgeblichen Eigentümer der Firma – glaubt, nach Gutsherrenmanier des 19. Jahrhunderts, in der Region auftreten zu können.

Sehr geehrte Frau Helga Krismer,

wir wollen jetzt nicht darüber rätseln, was hinter Deinem Positionswandel stecken mag. Es ist auch schwer vorstellbar, dass das einer Mehrheitsmeinung der Grünen-Basis entspricht.Wir bedauern Deinen Schwenk umso mehr, als das Verkehrs- und Regionalforum bei der letzten Landtagswahl als überparteilicher Verein ausnahmsweise dafür geworben hat, dass die Grünen wieder im Landtag vertreten sind, weil dies ja in Frage stand.

Bitte überlege nochmals, wo du stehst:
Entweder
o auf der Seite derjenigen, die eine Bahntrasse unter dem Gesichtspunkt von Immobilienverwertung und Betongold sehen, die eine vernünftige und einfache Lösung für eine neue Donauuferbahn im wahrsten Sinne des Wortes verbauen wollen;
o auf der Seite eines aggressiven Schotterbarons und der Habsburger Apanagenempfänger, für welche Umwelt, Klima und Menschen zweitrangig sind;
o auf der Seite derer, die kein Problem sehen, ein Mega-Förderband ausgerechnet in einem Natura-2000 Europasschutzgebiet und dem Welterbe Donau-Limes mit beträchtlichem Bodenverbrauch zu errichten, die glauben, dies mit allen Mitteln erreichen zu können.

Oder

o unterstützt durch tausende Unterschriften - wieder auf der Seite derer, die der Meinung sind, dass im Jahre 2019 das Zerstören aller Gleisanlagen auf der Teilstrecke von 19 km bei einer Gesamtstrecke von 108 km von Krems nach OÖ gegen alle Vernunft geschah (während die Donauuferbahn in OÖ und auf der Wachaustrecke hingegen ertüchtigt wurde), aber nun die Möglichkeit schafft, auf der vorhandenen Trasse gleich eine NEUE MODERNE Donauuferbahn zu errichten, und damit neben der Verwirklichung des Prinzips „Güter von der Straße auf die Schiene“ auch touristische Chancen im Nibelungengau verbessert werden;
o auf Seite derer – wieder belegt durch hunderte Unterschriften - die sich direkt betroffen von einer neuen Förderband-Verladestation gegen Lärm und Verbrauch von besten Böden berechtigterweise mit allen legalen Mitteln bis zum Erfolg wehren werden;o auf der Seite der Bundesverkehrssprecher ALLER Parteien, auf der Seite von Gemeinden, wie der Stadt Krems und der Marktgemeinde Emmersdorf in Niederösterreich oder der Stadtgemeinde Perg in Oberösterreich, und nicht zuletzt von zahlreichen Vertretern der Kirche, die im Sinne der Schöpfungsverantwortung Stellung genommen haben.

Wir appellieren daher an Dich, dass Du bei Abwägung all dieser Argumente den Vorstoß zum Donauuferbahn-Ersatz öffentlich zurücknimmst und der Reaktivierung einer neuen und modernen Donauuferbahn zum Durchbruch verhilfst.

Wir richten gleichzeitig auch ein Ersuchen um Unterstützung an die Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK).

Liebe Frau Bundesministerin Leonore Gewessler, BA,

lassen wir den Lokalaugenschein vom 22.8.2019 auf der Trasse der Donauuferbahn nicht zu einem Wahlkampfgag verkommen.
Unterstützen Sie bitte die Reaktivierung der Donauuferbahn!

Am 22.8.2019 haben Sie sich als damalige Platz 2 auf der Bundesliste für die Nationalratswahl gemeinsam mit NÖ Spitzenkandidatin Elisabeth Götze und Grüne NÖ Landessprecherin Helga Krismer mit dem geschäftsführenden Gemeinderat Helmut Paul Wallner aus Emmersdorf nach Ebersdorf begeben, um den aktuellen Zustand der Donauuferbahn vor Ort zu betrachten. Sie hielten weiterhin an der Bahn fest: „Wir kämpfen für die Region. Die Belastungen für die Bevölkerung und Umwelt sind verheerend. In Zeiten der Klimakatastrophe ist die Vorgehensweise, Schienen einfach zu zerstören und den Bahnverkehr hier unmöglich zu machen, völlig unverständlich. Der Abbruch weiterer Schieneninfrastruktur ist bereits geplant, was jegliche eventuelle Wiederinbetriebnahme der Strecke endgültig verhindern würde. Und das darf keinesfalls passieren. Die Trasse der Donauuferbahn muss als wertvolles Kulturgut erhalten bleiben, die zerstörten Brücken und Schienen müssen wiederhergestellt werden, sodass die Strecke erneut befahren werden kann und sowohl Personen- wie auch Güterverkehr im Sinne einer verantwortungsvollen Klima- und Verkehrspolitik von der Straße auf die Schiene verlegt werden kann.“

Gemeinsam mit der Grüne NÖ Landessprecherin Helga Krismer traten Sie kämpferisch für den Erhalt der Donauuferbahn ein: „Der Kampf für eine moderne neue Donauuferbahn ist nicht verloren und eine andere verantwortungsvolle Klima- und Verkehrspolitik in Niederösterreich ist möglich!“

Lassen Sie die von Ihnen angesprochene verantwortungsvolle Klima- und Verkehrspolitik in Niederösterreich Wirklichkeit werden!

Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Moment legen wir ein Foto bei.

Mit freundlichen Grüßen!

DDr. Josef Baum, Obmann Verkehrs- und Regionalforum Waldviertel
Toni Gruber, Bürgermeister aD der Marktgemeinde Marbach
Wolfgang Hnat, Obmann der Initiative „Restart Wien - Krems - Linz“
Ing. Helmut Paul Wallner, Vizebürgermeister der Marktgemeinde Emmersdorf