Leserbrief - Autobahnen als Lebensadern?

Autobahnen als Lebensadern?  - Leserbrief Bezirksblätter

Wenn in der letzten Ausgabe der BB der Asfinag-Chef Autobahnen als „Lebensadern“ bezeichnet, so erinnert das an den Witz, wo Dr. Marlboro sagt, „Rauchen ist gesund“.

Der Bevölkerungszuwachs rund um Großstädte ist ein weltweiter Trend, der nicht 1:1 mit dem Vorhandensein von Autobahnen erklärt werden kann, so wie es falsch ist zu behaupten, dass für negative Bevölkerungsentwicklungen in ländlichen Bezirken das Fehlen von Autobahnen verantwortlich ist.

Von einer Transitroute durch das Waldviertel, die ein Vielfaches des jetzigen Verkehrsaufkommens bringen würde, gewinnen neben der ASFINAG vor allem transportintensive Branchen und das internationale Geschäft mit dem LKW-Transit. Verlierer wäre der Großteil der waldviertler Bevölkerung, die zerschnittene und durch Versiegelung zerstörte Naturlandschaft und nicht zuletzt das Klima, dessen Veränderung z.B. mit dem Fichtensterben auch bei uns schon spürbar bedrohliche Ausmaße annimmt.

Die Frage, ob das Waldviertel eine Autobahn braucht, sollten wir nicht von denen beantworten lassen, die damit Geschäfte machen!

Manfred Stattler, Heidenreichstein

Nachschau Vortrag Frey und Diskussionsrunde

Gestern wurde in Schrems die Diskussionsverweigerung zur geplanten Waldviertel-Transit-Autobahn durchbrochen. Kurzfristig kam zuletzt infolge großer Beteiligung , 200 Leute, auch eine Diskussionsrunde zu Stande:

  • Martina Diesner-Wais, ÖVP-Abgeordnete zum Nationalrat

  • KommR. Herbert Kraus, Bezirksvorsitzender SPÖ Zwettl

  • LT-Abg Mag. Edith Kollermann (NEOS) und

  • LT-Abg Mag  Silvia Moser (Grüne)

Josef Baum

Petition JETZT unterschreiben

 

Zukunft-Mobilität-Waldviertel

 

Seminar zu Mobilität  6. 3. 13h  Stift Zwettl:

„Mobilität am Lande -  umweltverträglich, leistbar und  gerecht - wie geht das"

 

 

Petition gegen Waldviertelautobahn

Petition gegen Waldviertelautibahn
JETZT unterschreiben

Leserbrief NÖN - Allheilmittel Waldviertelautobahn

Allheilmittel Waldviertelautobahn? Gegen Abwanderung hilft eine andere regionale Wirtschaftspolitik!

Seit einigen Wochen taucht als Generallösung für die Probleme des Waldviertels wieder die Waldviertelautobahn aus der Rumpelkammer auf.  „Nur eine echte Autobahn kann die Abwanderung stoppen“ lese ich.  Dieses Herangehen entspricht insofern nicht der Realität, als die Transportkosten in den meisten Branchen  nur einen kleinen Bruchteil der Kosten umfassen, und die Konkurrenzfähigkeit von anderen Faktoren bestimmt wird, insbesondere durch die Vielfalt und Qualität der Arbeitskräfte. Damit die Jugend bleibt, ist eine andere Regionalpolitik, mehr Offenheit und weniger Konservatismus notwendig. Nicht zuletzt wandern derzeit ja vor allem junge Frauen ab.

Wer glaubt, dass die Waldviertelautobahn, alle politisch verursachten Probleme löst, sollte auch bedenken, was nicht nur Verkehrsexperten wissen: Es würde dann auf der Autobahn nicht nur schneller hinausgefahren, sondern große Firmen fahren auch schneller hinein und konkurrenzieren durch ihre großen Mengen noch mehr heimische Gewerbebetreibe nieder (Beispiel Bäcker) und erschweren so die bodenständige regionale Entwicklung.

Wenn von manchen ein Aufschwung für die Region durch einen Radweg AUF der Bahn prophezeit worden ist, wird den eine Autobahn (allein) auch nicht bringen. Wieviele Dauerarbeitsplätze schafft das derzeitige regionale Leitprojekt? Wenn selbst von Proponenten  zu hören ist, dass die Realisierung der Autobahn nun zwischen 25 bis 30 Jahre dauern würde, fragt man sich, wie bis dahin die wirtschaftlichen Probleme des Waldviertels gelöst bzw. nicht gelöst werden würden: Und sollte man die die Riesensummen nicht anders verwenden? Faktum ist aber, dass das Waldviertel bei der Verteilung der regionalpolitischen Mittel durch die mangelnde Aktivität der meisten Regionalpolitiker immer mehr den kürzeren zieht; in diesem Sinn wäre tatsächlich zu kämpfen: Gelder sollten vor allem in Unternehmensgründungen und Unterstützung von kleinen Unternehmen fließen, und nicht zuletzt in zukunftsträchtige Infrastruktur wie schnelle Bahnen und Breitband - ohne Belastungen für die Nutzer.

Immerhin verwendete der VP-Verkehrssprecher genau die Argumentation aus unserer letzten Newsletter- Aussendung: Niemand hat bis jetzt (wohlweislich?) gesagt, wo und wie diese Waldviertelautobahn verlaufen soll. Nach Linz? Nach Wien? Nach Krems?  Oder gleich drei Autobahnen? Abgesehen auch davon, dass eine „Waldviertelautobahn“ bei weitem nicht die für eine Autobahn vorgeschriebenen Autofrequenzen aufweisen würde, wären je nach dem  ja wieder Teile nicht angeschlossen.

Dr. Dr. Josef Baum, Verkehrsforumsobmann, Ökonom und Wirtschaftsgeograf