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Dannebergpredigt

Atemberaubend schön!

 Wenn im Waldviertel zur Sonnenwendzeit der blutrote Ball am Horizont versinkt, halte ich den Atem an. Wie schön! Seit das Frühjahr heuer mit durchgehend tropischen Temperaturen zum Hochsommer avancierte, gesellt sich zum Sonnenuntergang das beängstigende Gefühl einer umwelttickenden Bombe. So lange ein unheimlich schönes Wetter und so viele regionale Unwetter! Ist das normal? Der Nachhaltigkeitsspezialist Fred Luks meinte in einem ORF-Interview, der Ausnahmezustand wird zur Regel, es gebe kein Bewusstsein für die Bedrohung. Wir wissen es, wollen es aber nicht glauben.

Auch Politik und Wirtschaft machen das so. Zum Beispiel im Waldviertel. Dort wird von den im Landtag vertretenen Parteien mit Ausnahme der Grünen das Projekt Waldviertelautobahn befürwortet. In der Landtagsvorlage heißt es: „Errichtung einer Europaspange zur Anbindung des Wald- und Weinviertels an die mitteleuropäischen Wirtschaftszentren...“ Das Verkehrs- und Regionalforum Waldviertel www.verkehrsforumw4.at widerlegte bei seiner Zusammenkunft am 1. Juni in Schwarzenau die scheinheiligen Argumente: Eine Autobahn erspart den Waldviertler_innen weder Geld noch Reisezeit, sondern bringt LKW-Transitverkehr, Lärm und Umweltbelastung und vernichtet dauerhaft 2.000 ha wertvoller Agrarfläche. Die Nordwesteinfahrt von Wien kann zusätzlichen Verkehr nicht mehr aufnehmen und die durch Schnellfahren gewonnene Zeit geht im Stau wieder verloren. Der Beschäftigungseffekt ist beim Autobahnbau niedriger als bei fast allen anderen Arten um dasselbe Steuergeld. Nach einem Autobahnbau gehen Arbeitsplätze verloren (untersucht in der Schweiz, im Südburgenland und dem Lungau). Viele kleine und mittlere heimische Handwerks- und Gewerbebetriebe werden dem steigenden Konkurrenzdruck von Konzernen zum Opfer fallen. Die Milliarden, die eine Autobahn kostet, können im Waldviertel für Bildung, Klimaschutz, Energieautarkie, schnelle Bahnanbindung, Datenautobahn und Förderung von Gewerbe und Landwirtschaft viel besser eingesetzt werden.

Das Waldviertel wird uns die Umweltsünde der Beton-Transitpisten doppelt heimzahlen – mit atemberaubender Luft und existenzbedrohenden Naturkatastrophen. Wir wissen es und glauben es nicht.

Bärbel Danneberg